Mi., 30. Jan. 2019

In Zeiten, wenn ich den Reise-Blog um mehrere Tage hintereinander ergänze, wird mir wieder klar, was ich hier täglich erlebe. Manche erleben das in ihrem ganzen Leben nicht. Und das ist der Wahnsinn und lässt mich gerade das Leben so intensiv spüren.

Heute verlasse ich Cusco und mache mich auf nach Machu Picchu Pueblo oder auch Aguas Calientes genannt. Das Städtchen von dem aus die Tour zum Machu Picchu startet. Für die Reise habe ich mir ein kleines Schmankerl rausgelassen. Ich werde mit dem 360° Grad Panorama-Zug von Incarail fahren. Zuerst geht es mit dem Bus ca. 1,5h nach Ollantaytambo und dann mit dem Zug ca. 1,5h nach Aguas Calientes mitten durch das wilde Heilige Tal.

Am Büro von Incarail angekommen fühlt es sich schon etwas pervers an. Alle Angestellten in feinem Dress, stylishe Möbel und dunkles Holz in Kombination mit groben Steinen symbolisieren den Inca-Baustil. Ein kleines Buffet mit Kaffee und Häppchen runden das ganze ab. Ich komme mir vor wie beim Check-in auf einem Luxus-Liner. Na ja, für knapp 150 US$ für Hin- und Rückfahrt kommt das dem schon nahe. Egal, es macht Spass und ich freue mich schon sehr.

Zuerst geht es in einem Sprinter ca. 1,5 Stunden nach Ollantaytambo, dem Tor zum Heiligen Tal. Ich habe wieder Glück mit dem Sitzplatz und kann so die Fahrt geniessen. Leider scheine ich – bis auf eine Familie – der Jüngste an Bord zu sein… Dementsprechend verläuft die Fahrt. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Nun denn, denke ich, und frage den Busfahrer, ob er peruanische Musik an Bord hat. Er grinst und macht die Musik an. Und schon gewinnen die Fahrt und die vorbeiziehenden Landschaften ein völlig anderes Fair. So einfach… Man muss das einmal selbst erlebt haben. Diese typischen Landschaften mit den Alpaka-Herden und den Menschen in den klassischen Trachten und dann diese Musik, die zwischen Sehnsucht und Lebensfreude hin- und herwankt…unbeschreiblich. Ich lache in mich hinein.

In Ollantaytambo angekommen bleibt erstmal Zeit um sich die Nase zu pudern und sich etwas umzuschauen. Um ca. 12:30 Uhr soll der Zug losfahren. Wir haben 11:45 Uhr oder so. Ich knabbere eine paar Salzbrezeln, die ich in einem Shop für übertriebene, knappe 6 Euro gekauft habe. Ja, manchmal ist Heimat priceless… Und dann laufe ich gemütlich in Richtung Zugstation. Dort warte ich noch, bevor ich hineingehe. Ich beobachte ja gerne Leute und so schaue ich den Taxifahrern beim Würfeln zu und trinke eine Büchse Bier für 5 Soles = 1,50 Euro.

Dann geht es auch los. Alle steigen in den Zug ein und die Fahrt beginnt. Das hat für mich alles den Flair wie beim Orient-Express. Der Zug hat auch einen Waggon ohne Fenster, so dass man gute Fotos aus dem Zug heraus schiessen kann. Das Gleis ist einspurig und so kommt es auch vor, das wir auf ein Ausweichgleis fahren, um den Zug der anderen Gesellschaft (Perurail), durchzulassen. Wir fahren stets entlang des Rio Urubamba, der jetzt in der Regenzeit unheimlich viel Wasser führt. Wilde, schnell dahinfließende, braune, aufschäumende Wassermassen schiessen das Flussbett hinunter und machen vor nichts Halt. Steil aufragende Berge, vereinzelte Inca-Ruinen und Spuren der Inca-Trails fliegen an unseren Fenstern vorbei. Auch das ist priceless… In den Zeiten, in den alles was billig ist, auch gut erscheinen mag, ist das ein schönes Gegenbeispiel. Und alle Berichte von den sogenannten Weltreisenden und blablabla Travellern, die zig Berichte verfassen, wie man am billigsten nach Machu Picchu kommt, haben das noch nicht gesehen. Ich meine, sparen kann man woanders!

Und so komme ich nach knapp 1,5h und einer Tasche voller einmaliger Eindrücke in Machu Picchu Pueblo an. Völlig geflasht und mit einem gefühltem Dauergrinsen. Und es ist wirklich so, du betrittst diesen Flecken Erde und es ist irgendwie anders hier. Ringsum ragen Berge empor und die mystische Stimmung mit den tief hängenden Wolken tun ihres dazu. Trotz viel Tourismus hier, scheint es eine Energie zu geben, die das alles neutralisiert und im positiven Zustand verweilen lässt.

In meinem Hostel angekommen, wird mir eröffnet, das mein Zimmer einen Wasserschaden hat. Ich habe nichts Anderes erwartet :-). Die Herbergsmutter bietet mir eine 4-er Zimmer zur Alleinbenutzung an. Ok, auch gut. Gebongt. Und so schlage ich mein Basislager für die morgige Tour auf den Machu Picchu auf. Ein feines Abendessen rundet diesen tollen Tag mit vielen tollen Eindrücken ab. Morgen heisst es um 3:30 Uhr aufstehen, um 4:15 Uhr frühstücken. Denn der Bus geht um 5:30 Uhr. D.h. um 5:00 Uhr anstehen… Wie zu Hause :-)).