Mo., 21. Jan. 2019

Heute geht auf den 2-Tages Trip auf den Vulkan Chachani. Wir werden bis auf ca. 5.000 müM mit dem Auto fahren und von dort aus die erste Etappe bis zum Camp gehen. Dabei werden wir ca. 200 Höhenmeter bewältigen. Angekommen heisst es Zelte aufbauen und alles für die Nacht vorbereiten, Abendessen kochen und früh ins Bett gehen. Denn um Mitternacht ist wecken angesagt, frühstücken und dann den Aufstieg zum Gipfel auf 6.057 müM angehen.

Soweit die Theorie. Um halb neun werde ich abgeholt und muss erstmal mein Rucksack umpacken. Denn ich darf ja noch den Schlafsack und ein Zelt mitnehmen. Kein Problem, ich habe ja noch einen großen dabei. Auf der Fahrt zum Proviant einkaufen erfahre ich, dass es mittlerweile viel Schnee, nachts eisigen Wind und nachmittags natürlich dann auch Schmelzwasser durch die Sonne am Vulkan hat. Ok, mein Kopf beginnt zu rattern. Soll ich das bzw. kann ich das überhaupt machen? Ist meine Ausrüstung dafür geeignet und habe ich ausreichend Erfahrung für solche Bedingungen? Vor 2 Tagen sah das noch ganz anders aus. War ich vielleicht zu blauäugig, hätte ich noch mehr hinterfragen sollen?

So, jetzt kommt natürlich so einiges daher. Emotionen wie Angst vor dem schwierigen Aufstieg, Selbstzweifel, fehlende Klarheit und zugleich Selbstvertrauen. In sekundenschnelle zeigt mir mein inneres Ich einige Themen, die wohl noch anstehen. Ich überschreite für mich diese Grenze des „Aufgebens“ bzw. „Zurückweichens“. Das alles ist jetzt nicht wichtig. Ich entschiede, den Trip abzusagen. Trotz einiger Kosten, die auf mich zukommen, ist mir meine Sicherheit wertvoller. Auch das bedeutet “stark sein” für mich. Von jenen, die das in vergleichbarer Sitution nicht getan haben, findet man zu genüge Schilder in den Bergen!

Nach ewiger Verhandlung mit dem Inhaber und zugleich Bergführer einigen wir uns auf 25% der eigentlichen Preises. Wobei dieser Preis von seinem Kompagnon akzeptiert wurde. Und mein Bergführer nur zähneknirschend zustimmt, er wollte 75%! So beginne ich wieder meinen Reiseplan umzuorganisieren, D.h. Hostel stornieren, Busticket auf morgen umtauschen etc. Dafür gewinne ich einen Tag, den ich in Puno oder La Paz mehr haben werde. Auch gut. Die Berge stehen auch noch ein paar Monaten, wenn ich wieder kommen werde!

Ich schaue mir dann am Nachmittag noch etwas Arquipa an, insb. das Kloster Santa Catalina. Es bedeckt ein riesige Flaäche im Herzen Arequipas und ist erst seit 1970 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Einschub:
Santa Catalina erstreckte sich über 20.000 m² in dem als „weiße Stadt“ bekannten Arequipa und wurde 1582 und in den 1960er Jahren mehrmals durch Erdbeben stark beschädigt. Das im Stile der Mudéjares erbaute Kloster zeichnet sich durch seine in lebhaften Farben getünchten Mauern aus.

Mit einem letzten Sonnenuntergang verabschiede ich mich von Arequipa und habe zugegebnermaßen eine Träne im Knopfloch. Der Vulkan knabbert noch an mir…