Mo., 4. Feb. 2019

Mein letzter Ausflug dieses 2-monatigen Abenteuers hat’s nochmal in sich. Es geht ins Heilige Tal bzw. zu bedeutenden Stätten und Städten, die dieses Tal umgeben. Die Route führt von Cusco hinein ins Tal nach Chinchero, dann weiter nach Moray und Maras und auf dem Rückweg werden Ollantaytambo und Pisac unsere Ziele sein. Also ein sportliches Programm, das schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt wird. Treffpunkt für alle ist 7:00 Uhr am Büro des Veranstalters. Alle sind da nur der Bus nicht… Eine halbe Stunde später trudelt er dann daher. Scheinbar mussten Teilnehmer von weit her abgeholt werden. Da frage ich mich, weshalb für diese Kollegen der Treffpunkt nicht maßgebend war??? Diese halbe Stunde wird uns genau am Schluss fehlen, um eine Anlage vollständig besuchen zu können.

Na ja, ich mache ja aus meinem Herz keine Löwengrube und frage einen der Mitarbeiter freundlich ob sie auf Google, TripAdvisor etc. vertreten sind. Er bejaht und ich verkünde ihm, dass dieses Gebahren feine und miese Internet-Rezessionen nach sich ziehen wird. Umgehend nimmt sein Gesicht die Stimmung des draußen herrschenden Regenwetters an. Tja, es gibt stets einen, der sich so eine Schei… nicht bieten lässt.

Nun zurück zum Ausflug. Wir machen los zum ersten Ziel, Chinchero. Kaum sind wir losgefahren, muss sich ein Schwede auch schon übergeben. Die Jungs sind gestern von Bogota hergeflogen und wohl zu schnell auf die Höhe gegangen. Alter Schwede :)), der hat sogleich eine Tüte im Anschlag und so bleibt der Bus schön sauber. Den Kerl könntest du jetzt vor ein weißes Handtuch stellen und er wäre unsichtbar. Aber weiter geht die Fahrt. Wir fahren ca. 45 min und schon sind wir da. Das Wetter klart langsam auf und so schient es ein feiner Tag zum werden.

Einschub:
Chinchero ist eine kleine Stadt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Cusco in Richtung Urubamba in den peruanischen Anden in einer Höhe von 3.760 m über dem Meeresspiegel. Die Stadt war Sommersitz der Inkas, der 10. Inka Túpac Yupanqui soll hier seinen Lieblingsaufenthaltsplatz gehabt haben. In der Kirche aus der Kolonialzeit, deren Fundamente auf den zerstörten Tempeln der Inka steht, wird die Messe bis heute in der indigenen Sprache Quechua (Qusqu-Qullaw) gehalten. Am Hang unterhalb der Plaza de Armas sind ebenfalls noch viele Mauern aus der Inkazeit vorhanden.

ich hier finden sich wieder tolle, fugenfreie Mauern aus unterschiedlich großen, rötlichen Steinen und die typischen Terrassen für den Anbau von Mais, Kartoffeln, Quinoa etc.

Weiter geht nun die Fahrt in Richtung Moray. Wobei wir natürlich auch auf dieser Fahrt einen Shop im Programm haben :-)). Scheinbar ein Ort, wo noch alles von Hand gearbeitet wird. Die 3 Damen vom Grill singen uns erstmal ein Ständchen in Quechua zur Begrüssung. Finde ich schön. Dann werden uns die Garnherstellung, Webtechnik und das Färben mit unterschiedlichen Pflanzen für die Farbtöne gezeigt. Ziemlich beeindruckend. Aber jetzt geht’s an die Stände. Leider herrschen in diesem Monopol Preisabsprachen, so dass das Feilschen schwierig zu werden scheint. Das melde ich der Kartellbehörde :)). Ich laufe umher und versuche, die Marktfrauen gegeneinander auszuspielen. Leider sind die Familienstrukturen stärker als die Gewinnsucht. Mist. Und so bleibt es bei schönen Dialogen zwischen mir und den indigenen Frauen. Als ich dann schon wieder im Bus sitze, wird mein Preis doch noch vom Familienrat durchgewunken…zu spät. Und es hat viel Spass gemacht.

Moray ist eine Anlage, die die Inka zu „Forschung“ genutzt haben sollen, um das Domestizieren vn Pflanzen aus dem Hochland und Dschungel besser zu verstehen. Die Terrassen von Moray bieten auf jeder Ebene ein eigenes Mikroklima und so war es den Inkas möglich, viele Pflanzungen unter unterschiedlichen Bedingungen vorzunehmen. Echt schlaue Jungs, die Inkas und deren Bevölkerung…Respekt!

Einschub:
Die Inka-Anlage Moray ist eine Anlage, bestehend aus mehreren Terrassen in verschiedenen Höhen. Sie wurde in drei größeren natürlichen Dolinen verschiedener Tiefe errichtet. Die mit über 70 Metern tiefste Doline, deren unterste 28 Meter mit Terrassen versehen sind, heißt Qechuyoq. Die ersten sieben Terrassen, die ungefähr 15 Meter überspannen, sind konzentrisch angeordnet. Die achte Terrasse bricht in nordwestlicher Richtung aus dem Schema aus und verbreitert hier die Anbaufläche auf der siebten Terrasse. Durch die Terrassierung und die Anordnung im Rund ergibt sich eine Überlagerung des Makroklimas mit etlichen, für jede Terrasse verschiedenen Mikroklimaten. Möglicherweise diente Moray den Inka als Agrarversuchsfeld zum Studium des Einflusses dieser Mikroklimate auf den Pflanzenwuchs.

Weiter geht es nach Maras, ein Gebiet von Salinen, die es so nur in diesem Tal gibt. Durch den Regen sind die Parzellen bräunlich eingefärbt und werden nicht bearbeitet. Die Regenzeit ist Low Season auch bei den Salzerntern. Jedoch wie häufig auf diesem Kontinent und in Peru besonders überrascht die Natur mit ihren Landschaften. Egal zu welcher Jahreszeit.

Einschub:
Maras ist eine Stadt auf 3.300 müM im Heiligen Tal der Inkas, 40 Kilometer nördlich von Cuzco, in der Region Cuzco in Peru . Die Stadt ist bekannt für ihre Salzverdampfungsbecken, die seit Inka- Zeiten genutzt werden. Seit der Inka-Zeit wurde Salz in Maras durch Verdampfen von Salzwasser aus einem lokalen unterirdischen Strom gewonnen. Das hochsalzige Wasser tritt an einer Quelle aus, einem natürlichen Abfluss des unterirdischen Baches. Die Strömung wird in ein kompliziertes System aus winzigen Kanälen geleitet, die so konstruiert sind, dass das Wasser allmählich auf mehrere hundert alte terrassierte Teiche hinabfließt.

Weiter geht unsere Fahrt durch das Heilige Tal zum nächsten Ziel in Ollantaytambo. In Ollantaytambo kann man die mit am besten erhaltene Inkastadt sehen. Hier finden sich noch gut erhaltene Reste von Wohn-, Verwaltungs-, Militär- und religiösen Einrichtungen. Vieles ist noch im originalen Zustand.

Einschub:
Ollantaytambo (dt. Speicher meines Gottes) ist eine Stadt im südlichen Teil von Peru (Provinz Urubamba, Region Cusco) und liegt etwa 60 km nordwestlich von Cusco und 21 km von Urubamba entfernt. Die Stadt liegt in einer Höhe von 2.792 müM am Fluss Urubamba. Nach einer Legende soll ihr Gott Viracocha die Inka angeleitet haben, die Stadt zu bauen. Auf der bergzugewandten Seite von Ollantaytambo befindet sich ein imposanter Inka-Komplex, der, auf Grund seiner außerordentlich starken Mauern, landläufig fortaleza (dt. Bollwerk oder Festung) genannt wird. Tatsächlich war dieser Komplex strategisch günstig gelegen, um das Heilige Tal der Inka zu dominieren. Hierhin zog sich auch 1537 Manco Cápac II. nach der gescheiterten Belagerung von Cuzco zurück, um seine verbliebenen Soldaten im Kampf gegen die Conquistadoren zu sammeln.

Da wir nun schon knapp in der Zeit sind, macht unser Guide etwas Stress. Ich kann es mir nicht verkneifen, ihn auf seine Verantwortung hinzuweisen und dass mir sein Plan schlichtweg egal ist. Ein weiteres Pärchen macht ihm dann auch noch die Hölle heiß, da er sie scheinbar etwas gelinkt hat. Nun, die Stimmung ist gerade eher auf Frostniveau, welches mich weniger juckt. Es geht weiter zur letzten Stätte, nach Pisac.

Pisac ist u.a. für seine ca. 3.000 erhaltenen Gräber der normalen Bevölkerung bekannt, die sich in einer Felswand dort befinden. Da es schon recht spät ist und Pisac ca. 60km von Ollantaytambo entfernt ist, verwandelt sich unser Busfahrer in einen materialverbrennenden Berserker der Landstrasse! Ich weiss nicht wie schnell er durch die Städte und Dörfer geknallt ist. Und trotzdem sind wir zu spät…eigentlich. Um 16:30 Uhr fällt der Schlagbaum am Eingang der Inkastätte von Pisac. Wir dürfen aber noch rein. Doch die Freude hält nicht sehr lange, denn am Aufstieg zum höchsten Plateau pfeift uns ein Wachtmeister zurück und sperrt den Bereich ab.

Einschub:
Písac oder Pisaq ist eine Stadt, und frühere Bergfeste der Inka, in Peru, die etwa 33 Kilometer von Cuzco entfernt ist. Sie liegt im Valle Sagrado (Heiliges Tal der Inka) am Rio Urubamba. Der Stadtkern Pisacs besteht aus zwei Teilen. Die eigentliche Stadt ist der eine Teil, der andere ist der heilige Bezirk. Eine lange Treppe führt hier von den Häusern zum höchsten Plateau hinauf. Dort, in der Mitte des Tempelbereichs, liegt der Intihuatana, ein mächtiger Felsbrocken, von dem die Inka glaubten, an ihm sei die Sonne angebunden.

Wir erkunden die noch zugänglichen Bereiche der Stadt, die sich oberhalb des Rio Urubamba befindet. Gut erhaltene Reste der Häuser, religiöser Bauten, Aussichtsposten und öffentlicher Bereiche geben einen Eindruck wie das Leben hier wohl so war. Dann beginnt es langsam zu dämmern und die Sonne verabschiedet sich langsam. Am Rückweg schaffen wie es noch einen Blick ins Heilige Tal zu erhaschen bevor die Sonne entgültig hinter den Bergen verschwindet.

Ein toller Tag trotz einiger blöder Dinge geht zu Ende. Und ich habe nochmals einen super Einblick in das Schaffen der Inkas erhalten und einzigartige Landschaften sehen können.