Di./Mi., 08./09. Jan. 2019:

Für den Dienstag habe ich einen Trip nach Ingapirca, einer Inka-Ausgrabungsstätte 2h nördlich von Cuenca, geplant. Ich hole noch schnell meine Wäsche aus der Reinigung, entscheide jedoch die kurzen Hosen anzubehalten. Fehler! Das Wetter ist bedeckt und eher regnerisch, jedoch einigermassen „warm“. Ich bin optimistisch, dass es noch aufreissen wird. Leider ist morgens mein Kopf noch nicht auf Höchstleistung, als ich den Rucksack für den Tag packe. Denn eine lange und zusätzlich eine Regenhose wäre, wie sich später herausstellen wird, von Vorteil gewesen. Ausserdem liegt Ingapirca auf knapp 3.200m. Dementsprechend können die Temperaturen sein.

Einschub:
Ingapirca (Inkapirka, Kichwa: “Inkamauer”), auch Hatun Kañar (Hatun Cañar, “Groß-Cañar”) ist die bedeutendste Inka– Fundstätte Ecuadors. Sie befindet sich etwa 50 km nördlich von Azogues im Kanton Cañar in der Provinz Cañar.
Der genaue Zweck der Anlage, die von den spanischen Chronisten der Conquista als „Burg“ (castillo) bezeichnet wurde, ist noch immer nicht entschlüsselt. Inzwischen ist jedoch deutlich geworden, dass es sich nicht nur um eine Festung, sondern auch um eine Kultstätte der Kañari handelte, die später auch von den Inka genutzt und ausgebaut wurde. Die Bauweise des fugenlosen Zusammenfügens großer behauener Steinblöcke ähnelt den in Cuzco erhaltenen Inkaruinen. Nach gängiger Deutung umfasst der Komplex unter anderem einen Sonnentempel, ein Observatorium zur Beobachtung von Sonne und Mond, Lagerräume, rituelle Bäder, Grabstätten, Straßen und Plätze.

Der Bus fährt um 9:00 Uhr los und hält direkt an der Anlage Ingapirca. Von dort fährt er dann auch wieder zurück. Also kein mühsames hin und her, um vom Bus zum Park bzw. zum Bus zu kommen. Leider regnet es mittlerweile ziemlich stark und die Führung ist nur auf Spanisch verfügbar. Ich überlege kurz, ob ich mir das gebe. Insbesondere, da ich gerade erst wieder gesund geworden bin. Die Antwort lautet nein. Stattdessen gehe ich erstmal ins Besucherzentrum und schaue mir die Ausstellung zur Ausgrabung an. Danach suche ich einen der Läden hier auf und trinke einen heissen Kaffee bzw. zwei. Dort ist es warm und die Temperaturen sind auch mit kurzen Hosen zu ertrage. Es hat ca.10 Grad und es ist naßkalt.

Nach 2 Stunden geht die Fahrt zurück nach Cuenca wo wir um 16 Uhr wieder aufschlagen. Zumindest konnte ich von außen einiges von der Ruinen sehen und ich bin mir sicher, nochmals hierher zu kommen. Besser ausgerüstet und wenn möglich gleich bei besserem Wetter.

Am Mittwoch will ich nochmal etwas Cuenca erkunden und hoffe auf eine Free Walking Tour. Doch auch die findet nur auf Spanisch statt. Und 2h mitlaufen und dabei 30% verstehen ist nicht mein Ding. Also gehe ich solo los. Das erste Ziel sind die Inka-Ruinen, die eine ansehnliche Fläche einnehmen. Es ist sehr interessant zu verstehen, wie die Inkas ihre spirituellen, astronomischen, ackerbaulichen Kenntnisse erworben und weiter ausgebaut haben. Auch die Flora und Fauna wurde für die Medizin und natürlich für die Ernährung eingesetzt und stets weiterentwickelt. Terrassenbau für den Ackerbau an steilen Berghängen und Bewässerungssysteme sind dabei ein wichtiges Element gewesen.

Danach geht es zum Mittagessen. Ich will Cuy, d.h. Meerschweinchen, essen und habe dazu eine Adresse etwas außerhalb recherchiert. Dort geht es mit dem Taxi hin und als ich ankomme springt mich schon der Betreiber an und drückt mir die Speisekarte in die Hand. Es ist keine Menschenseele da und ich bin mir nicht sicher, ob der Tipp wirklich gut ist. Ich über lege kurz, schaue mir in der Open Air Küche die gegrillten Meerschweinchen an und denke mir, das passt schon. Also setze ich mich und einige Minuten später kommen weitere Gäste, so dass der Laden bald gut gefüllt ist. Ich esse ein halbes Cuy, das kommt mit Kartoffeln und einer weissen Getreideart (ich recherchiere das noch). Das Essen ist deftig und das Meerschweinchen so ganz gut. Die Haut ist sehr hart oder zäh und das Fleisch schmeckt etwas nach Kassler, hat jedoch schon seine eigenen Geschmack.

Einschub:
Unter Cuy oder Riesenmeerschweinchen (aus dem Quechua Quwi für Meerschweinchen) werden im deutschsprachigen Raum besonders große Formen des Hausmeerschweinchens (Cavia porcellus) verstanden. Da in Südamerika unter diesem Begriff alle Meerschweinchen – vor allem verschiedene (Unter-)Arten der Wildmeerschweinchen (Cavia aperea) – verstanden werden, kommt es immer wieder zu Verwechslungen. Meerschweinchen werden in der Andenregion in Peru, Bolivien, Ecuador und Kolumbien gegessen. In Peru werden bis zu 65 Millionen Meerschweinchen im Jahr verzehrt, von denen aber nur ein Bruchteil Cuys sind. Die meisten verzehrten Meerschweinchen in Peru haben ein Gewicht von 500 bis 600 Gramm. Mittlerweile ist es in Peru gelungen, größere Exemplare zu züchten, die rund ein Kilogramm wiegen.

Danach fahre ich wieder ins Zentrum, hole noch Wäsche aus der Reinigung und setze mich dann ins Hostel und schreibe meine Blog weiter. Durch Zufall prüfe ich meine Mails und auch den Spam-Ordner und sehe dort eine Nachricht von der LATAM, dass mein Flug morgen abgesagt ist!!! Ich bekomme kurz 300 Puls und schaue mir dann die Optionen an. Eine davon ist 2h später zu fliegen. Nicht optimal, aber zumindest komme ich noch am gleichen Tag weg. Also umbuchen und geritzt ist die Sache. Somit habe ich auch etwas mehr Bremsspur bis zum Flug. Passt.

Abends gibt es dann wieder mal Ceviche mit Fisch und Krabben gemischt und einen großen Salat dazu. Das hat mir die letzten Tage echt gefehlt.