So., 02. Dez. 2018:

Heute steht der Cerro Montserrate auf dem Programm. Ich sagte am Vorabend zu Roberto, dem Hostelpapa, dass ich gegen halb acht früstücken möchte. So war alles bereitet, um möglichst bald loszukommen. Wäre da nicht mein bisher kaum weniger werdendes Schlafproblem. Um 4 Uhr bin ich fertig mit schlafen. Ich nehme das als ein Zeichen, doch den Sonnenaufgang auf dem Berg zu erleben und dabei tolle Fotos machen zu können. Ja, es ist nur in Deinem Kopf.. Egal, mit dem Gedanken springe ich aus den Federn und mache mich fertig. Nun stehe ich um 4:45 Uhr an Roberto’s Tür und klopfe sachte. Dieser überhaupt nicht sauer, versteht meine Planänderung und lässt mich hinaus.

Ich gehe zu Fuß durch das noch finstere Bogota (das wird übrigens auch in jedem Reiseführer sehr empfohlen:-) ) und komme um kurz nach 5 Uhr am Ticketschalter an. Ja, und es sind schon Leute da! Also, anstehen und warten. Ich habe mich entschieden, hochzufahren und den Rückweg zu Fuß zu machen. Es geht alles sehr ruhig und gelassen zu und so fahren wir um 5:30 mit der Standseilbahn dem Gipfel entgegen. Kurz vor der Abfahrt überkommen mich doch glatt einige apokalyptische Gedanken was bei dieser betagten Bahn alles am Hochweg geschehen kann. U.a. der Gedanke, eingeschlossen zu sein und in den Tunnel zu fahren treiben mich innerlich schon wieder zur Tür… Auch hier mache ich mir bewußt: “…es ist alles nur in Deinem Kopf…”. Und so, unter Anwendung einiger anderer mentaler Kniffe, beruhige ich mich und bleibe an meinem Platz. Das wird oben belohnt. Es eröffnet sich eine einmalige und wunderschöne Szenerie. Auf der einen Seite kommt die Sonne über den Gipfel und beginnt nach und nach alles mit ihren Strahlen zu erwärmen. Auf der anderen Seite “schläft” Bogota noch eingehüllt unter eine Wolkendecke. Priceless!

Ich erkunde noch weiter das Areal und lasse mich dann bei einem Essensstand nieder, um typisches lokales Frühstück zu geniessen. Es gibt Kochbanane mit Käse und etwas Süssem. Für meine Nase ist das im ersten Moment eine Herausforderung, es schmeckt jedoch aboslut gut. EInen Kaffee dazu und die Sonne direkt ins Gesicht, que bien!

Auf dem Rückweg zum Hauptplatz an der Kirche wundere ich mich über die vielen Läufer, die teilweise völlig am Ende und schweißgebadet gerade wieder zu Atem kommen. Und es werden immer mehr… Als ich mich bergab aufmache, sehe ich, wie diesen Weg Heerscharen herauflaufen, joggen, prusten. Jedoch ohne Anzeichen, aufzugeben. Ob der 6 Jährige oder seine Großeltern, alle Generationen scheinen dabei zu sein. Und dabei geht es auf 2,3 Kilometern Länge und ca. 1.080 Stufen knapp 600m in die Höhe! Unten angekommen bin ich völlig überwältigt von der Schönheit dieses Ortes und glücklich, so schlecht zu schlafen 🙂

Da der Tag noch jung ist, entscheide ich mich für ein schönes, zweites Frühstück im S.P.Q.R. Es gibt Bircher Müsli und anschließend Rührei. Herrlich, den Tag so zu beginnen und um 9 Uhr am Morgen schon voller Zufriedenheit einfach dazusitzen, que bien! Oliver, der Eigentümer, gibt mir noch einen Tipp zu einem Flohmarkt in Bogota. Und so ist für den Nachmittag auch schon alles geritzt. Man muss wissen, dass sonntags im Zentrum in Bogota die Hauptverkehrsstrassen für den Verkehr gesperrt und für die Radfahrer freigeben wird. Damit sind Massen an Fußgängern und Radfahrern unterwegs und fliegende Händler säumen links und rechts den Strassenrand. Ein irres Treiben. Der Tipp von Oliver jedcoch ist etwas abseits auf einem Parkplatz. Hier gehts es sehr gelassen zu und es macht Lust, durch die kleinen Gassen zu gehen und die teilweise skurrilen Waren zu betrachten.

Den Tag beschliesse ich im “De Una Travel Bar”. Hier gibt es sonntags u.a. ein typisches Gericht genannt Ceviche. Das sind Fischstücke in einer säuerlichen Marinade mit Zwiebeln eingelegt. Sehr lecker. EIn toller Tag findet damit auch kulinarisch seinen krönenden Abschluss.