Do./Fr., 17./18. Jan. 2019:

Um 7:30 Uhr komme ich in Arequipa an. Die Fahrt im Nachbus war mäßig. Ich hatte eine VIP-Sitz gebucht, um in den Genuss eines bequemen umklappbaren Sitzes zu kommen. Dem war auch der Fall, nur hinter mir brüllte die Klimaanlage auf höchster Stufe und das 12h Stunden am Stück. Also die sehr geschätzten Oropax ausgepackt, rein in die Lauscher und schon dämpft sich der Geräuschpegel auf Einschlaf-Niveau. So konnte ich doch etwas schlafen und nach dem Sonnenaufgang die wilde Landschaft von Peru bestaunen. Alles in allem ging die Fahrt recht schnell vorüber.

Um 10 Uhr habe ich wieder eine Free Walking Tour gebucht und Alessandro ist auch noch in der Stadt, so dass wir uns dort wieder treffen werden. Vorher checke ich noch kurz im Hostel ein und lerne Michael aus Berlin kennen. Ein sehr netter Typ, mit dem ich noch einige Zeit verbringen werde. Doch zuerst geht’s zur Free Walking Tour und davor noch zum Frühstücken an den Plaza de Armas – dem Hauptplatz in Arequipa mit der Kathedrale aus weißem Vulkangestein. Alessandro hat noch keine richtige Orientierung und seine Buchung der Free Walking Tour hat irgendwie nicht geklappt. Also schicke ich ihm noch schnell die Koordinaten von meiner Tour und dann treffen wir aus auch schon dort. Johan ist unser Tourguide und er führt uns zuerst an die Stadtgrenze des ursprünglichen Arequipa. Dort besuchen wir eine Minifabrik für Alpacawolle und können den manuellen Verarbeitungsprozess aus nächster Nähe beobachten. Nun ist auch klar, warum insb. Produkte aus Baby-Alpaca so hochpreisig sind. Schade, dass ich keine Möglichkeit habe, etwas mitzunehmen. Doch mein „Stauraum“ im Rucksack ist leider ausgeschöpft.

Arequipa nennt sich auch „Ciudad Blanca“. Das kommt nicht wie oft angekommen von den weißen Gebäuden sondern davon, dass in Arequipa früher größtenteils Menschen mit weißer Hautfarbe gelebt haben.

Einschub:
Arequipa ist die Hauptstadt der gleichnamigen peruanischen Region. Die zwischen 3 Vulkanen gelegene Stadt aus der Kolonialzeit weist zahlreiche barocke Gebäude aus Sillar, einem weißen Vulkangestein, auf. In der Mitte des historischen Stadtkerns liegt die Plaza de Armas. Die Stadt hat 960.594 Einwohner (2017). Die UNESCO erklärte 2000 das Stadtzentrum von Arequipa zum Weltkulturerbe. Arequipa liegt auf über 2.300 m Höhe. Beherrscht wird die Stadt durch die Vulkane in der nahen Umgebung, den 5.822 m hohen kegelförmigen Misti, den 6.057 m hohen Chachani und den kleineren und entfernteren Picchu Picchu.
Nicht weit von Arequipa liegen auch die Schluchten des Cotahuasi- und des Colca Cañon, die mit bis zu 3.000 m Höhenunterschied mit zu den tiefsten der Welt zählen.
Die Herkunft des Beinamens „die weiße Stadt“, mit dem sich Arequipa schmückt, bezieht sich wahrscheinlich nicht auf das weiße Sillar-Gestein vulkanischen Ursprungs, mit dem viele der alten historischen Gebäude im Zentrum Arequipas erbaut wurden, sondern eher auf die hellere Hautfarbe der einstmals im Stadtzentrum lebenden spanischstämmigen Bewohner, die es den Einheimischen verboten, in der Innenstadt zu leben.

Johan unterhält uns auf der weiteren Tour mit seiner freundlichen und zugleich etwas zynischen Art bestens. Er weiss wie er die Details zur Historie gut verpackt, so dass wir alle gerne zuhören. Ein interessantes Detail ist die Bauart der Kirche. Sie steht mit ihrer langen Seite gegenüber der Plaza der Armas. Damit erweckt sie den Eindruck, dass diese Seite ihr Haupteingang ist, und wirkt damit natürlich als ein gewaltiges Bauwerk. Und noch ein spannender Punkt ist wie Arequipa zu seinem Namen kam. Der Name der Stadt leitet sich mutmaßlich von dem Quechua-Ausspruch „are quepay“ (zu deutsch: „Bleiben Sie!“) ab, den der Inka Mayta Cápac bei seiner Ankunft im Tal des Rio Chili getan haben soll.

Am Abend schaue ich mit auf dem Dach des Hostels den Sonnenuntergang an und treffe dabei wieder Michel. Wir unterhaltenen bestens über das Reisen und alles mögliche. Dabei gesellt sich dann noch Tidi, ein Filmemacher aus Mainz, dazu und so haben wir eine nette Runde auf dem Dach. Wir alle haben vor ins Colca-Tal zu gehen, und wenn möglich auf eigen Faust. Dort gibt es die Möglichkeit 1, 2, oder auch 3 Tage zu wandern. Michael hat die 3-Tagestour gebucht und wird in der Nacht schon abgeholt werden. Mit Michael gehe ich abends dann noch fein essen und wir unterhalten uns über gute Themen. Es scheint, als ob wir da einer Wellenlänge sind. Schön, so jemanden zu treffen.

Den nächsten Tag verbringe ich etwas mit recherchieren, ob ich eine Tour buchen soll oder den Trip ins Colca-Tal selbst organisiere. Ich bin für selbst organisieren und so habe ich schnell die Busverbindungen nach Cabanconde, der Ort im Colca-Tal, heraus. Heute nacht um 0:00 Uhr geht der Bus und benötigt 6h… Ok, ich bin gespannt, wie die Fahrt wieder werden wird. Daneben informiere ich mich bzgl. einer Besteigung des Vulkans Chachani. Der ist technisch nicht sehr anspruchsvoll und kann in einem oder 2 Tagen gemacht werden. Trotz eines kleinen Vermögens buche ich die 2-Tages Tour auf den Vulkan. Es soll am 21.1. morgens im 8 Uhr losgehen. Und jetzt geht es erstmal ins Colca-Tal für die nächsten 2 Tage.