Di., 29. Jan. 2019

Heute heisst es um 3:45 Uhr aufstehen, denn der Pick-up ist zwischen 4:20 Uhr und 4:40 Uhr für den Trip zum Rainbow Mountain (eigentlich heisst der Berg Vinicunca). Als ich aufstehe, kommen die beiden deutschen Hühner und zugleich meine Room-Mates gerade vom Feiern heim. Auch gut, so muss ich nicht besonders leise sein. Kurz nach vier Uhr stehe ich auf der Matte. Den um die Uhrzeit völlig überforderten Kollege an der Rezeption motiviere ich dann noch zum Kaffee machen und so geht der Tag gut los. Ohne Kaffee echt schwierig. So ist das mit den Einbildungen… Irgendwann zwischen 4:30 Uhr und 5:00 Uhr ruft der Tourguide an und ich gehe zum Treffpunkt ein paar Meter den Berg runter. Das Hostel kann man nicht direkt anfahren. Ich bekomme in dem Sprinter einen guten Platz mit viel Beinfreiheit und so kann die 2-stündige Fahrt losgehen.

Einschub:
Der Vinicunca (auch Regenbogen-Berg) ist ein Berg südöstlich von Cusco in der Provinz Quispicanchi, im Süden Perus. Mit seinen sieben verschiedenen Farben, die parallel zueinander verlaufen, wirkt er wie ein Regenbogen. Die Farben sind durch überlagerte Mineralien, die sich Jahrmillionen hier ablagerten, entstanden. Diese Sedimentschichten wurden durch Plattentektonik von einer waagrechten in eine fast senkrechte Position gedrückt. Das Eisenoxid führte zur rötlichen Färbung, Mangan zu den Pinktönen, das Gelb kommt vom Schwefel und die Reaktion von Kupfer, Wasser und Sauerstoff führte zur blaugrünen Verfärbung. Die schwarzen Streifen erklären sich durch Granit.

Wie meist bei solchen Touren geht es durch tolle Landschaften, so dass an schlafen nicht zu denken ist. Wir halten dann noch an einem Shop, an dem es frisches Brot gibt. Und auch hier, reihen sich zig Läden mit dem gleichen Geschäftsmodell aneinander – Brot backen und verkaufen. Schon seltsam für mich als Europäer. Ich kenne das jedoch auch aus Südost-Asien. Ich sollte mal fragen, weshalb das so ist…

Gegen 7:30 Uhr erreichen wir unseren ersten Stop zum Frühstück. Es gibt Rührei, Weissbrot, Marmelade, Saft und Kaffee. Ganz ordentlich für Lateinamerika. Die Mitreisenden sind alle noch etwas einsilbig und so versuche ich mal den Ball ins Spiel zu bringen und stelle die klassischen Small-Talk Fragen… Meine Gegenüber aus Britannien scheint entweder der Profilneurose der meisten Insulaner zu unterliegen oder er hat wirklich nichts zu sagen. Wobei mit seinem angelsächsischen Kollegen scheint seine Zunge mehr in Fahrt zu kommen. Na ja, die sind ja eh bald raus…:-)). Aus dem Blickwinkel kein wirklicher Verlust.

Nach 1h geht es dann weiter zum Ziel. Die Fahrt geht nun zunehmend bergauf und auf doch etwas abenteuerlichen Strässchen. Die sind nach dem starken Regenfall vom Morgen dann zusätzlich noch leicht schmierig. Ich sitze auf der rechten Seite im Bus und habe sehr gute Sicht auf die Stellen, wo wir mit dem Transporter aufschlagen könnten, wenn der Kollege vorn am Steuer es nicht zu genau nimmt. Nun, wie dieser Bericht erahnen lässt, hat alles geklappt und wir sind nur mit leichten Stauchungen der LWS davongekommen. Ein Klacks und nicht der Rede wert :-)). Wir haben daneben auch schöne Landschaften und ein Menge Alpaka-Herden gesehen.

Als wir zum Parkplatz kommen, fällt mir das Gesicht auf den Boden. Ich weiss nicht wie viel Busse schon da sind. Ich habe einige erwartet, jedoch das ist grass. Und es ist alles dabei. Von „Size Zero“ bis „Sumo-Ringer“, von Vorschulalter bis Scheintod. Und die wollen alle auf den Berg? Wir sind nun auf ca. 4.800 müM und es geht auf 5.200 müM. Einige Minuten später, nachdem wir unsere Einweisung und ein grünes Hemdchen zur Wiedererkennung erhalten haben, ist mir alles klar. Für diejenigen, deren Kaloriendosis/Tag sich jenseits der 5.000er Grenze bewegt, stehen Mulis und Pferde zur Verfügung. Wie pervers ist das denn? Ich stelle mir dieses Szenario an der Rappensee-Hütte in den Allgäuer Alpen vor, bevor es hinauf zum Heilbronner Weg geht. Bin ich froh, dass es bei uns Menschen gibt, die auf die Berge Acht geben!!!

Ich jedenfalls laufe los und kümmere mich jetzt nicht mehr um die Gruppe. Es geht mittlerweile gut bei der Höhe und so bin ich nach ca. 40 min oben am Gipfel. Auch hier das gleiche Bild und…keine bis wenig Sicht. Die Wolken verweilen hartnäckig am Kamm und nur für Sekunden ergibt sich ein Fenster mit freier Sicht. Nach einiger Zeit scheint sich die warme Luft durchzusetzen und es reisst weiter auf. Nun kann man das ganze Ausmass dieser Sedimentsanordnung erahnen. Und so schaffe ich es doch noch einige gute Shoots zu machen.

Anfangs hatte ich mich gegrämt, dass das Wetter so bescheiden ist. Doch ich reise in der Regenzeit und da ist damit zu rechnen. Ich hatte das ja schon an mehreren Orten mit dem Regen und es wird mich noch weiter erwischen. Nur ist die Frage: War es erst dann klasse, wenn ich bei tollstem Wetter das tollste Bild geschossen habe? Oder bin ich dann wie die meisten an solchen Orten, die nur ein Selfie von sich an diesen tollen Orten der Erde haben wollen, um es dann auf FB oder Instagram zu posten? Wahrgenommen und bedacht, wie schön diese Flecken sind und was es dazu brauchte, das sie entstanden sind, haben es wohl die wenigsten. Und mit diesem Blickwinkel eröffnet sich ein andere Schönheit, die sich nicht sofort zeigt und jedem Wetter widersteht…