So., 27. Jan 2019

Nachdem heute wieder ein Reisetag ist, habe ich vor, die Free Walking Tour um 11 Uhr zu machen. Die habe ich ja aufgrund der Verspätung mit dem Bus verpasst. Und jetzt passt die mir ganz gut rein, da ich am Nachmittag um 16 Uhr zum Terminal auf mein Bus gehe. Und so kann ich in 2-3h noch ein wenig über La Paz erfahren. Bis dahin ist mal wieder packen angesagt. Martina, mein Room-Mate aus Österreich, ist auch da und wir unterhalten uns noch ein wenig. Mit ihr hatte ich die Tage in La Paz immer wieder gute Gespräche über die eigene Weiterentwicklung, Glaubenssätze, Einfluss der Eltern auf die eigene Entwicklung etc. Das waren Gespräch, die mir gut getan haben und sehr wert voll waren. Ich freue mich schon auf ein Treffen mit Ihr in Wien.

So, fertig gepackt und los geht’s. Der Treffpunkt ist der Plaza San Pedro, ca. 10 min. zu Fuss vom Hostel Selina. Dort erfahren wir, dass das dort anliegende Gefängnis eine sehr eigene Geschichte besitzt. Es steht nämlich unter der Selbstverwaltung der Häftlinge! Es gibt ein paar Wärter, die jedoch eher der Administration angehören. Jeder Häftling kann auch seine Familie mitbringen, sofern er genügend Geld hat, um sich auch eine entsprechende Zelle zu mieten! Ja, das gibt es dort aus, einen Immobilienmarkt bis hin zu luxuriösen Einzelzelle mit Bad, warmen Wasser, Küche, französischem Doppelbett uvm. Auch kann man da drin alles kaufen, da es richtig Läden hat, die Waren verkaufen. Coca Cola ist der einzige Getränkelieferant, so dass es dort keine Pepsi oder Dr. Peppers gibt :-). Die Spitze des ganzen war, dass es bis vor einiger Zeit auch Gefängnisführungen gab. Bis es dann zu Übergriffen auf die Touristen kam. Das größten Geschäft ist jedoch Heroin in diesem Gefängnis, welches über eigene Produktionsstätten in den Zellen verfügt. Alles ziemlich schräg…

Wir gehen dann weiter und streifen einige Märkte, auf denen es alles zu kaufen gibt. Der Rodriguez Markt erstreckt sich über 4 Häuserblocks und es gibt alles zu kaufen, was der gemeine peruanische Hausstand brauchen kann. Was es hier nicht gibt, braucht auch keiner :-)). Super, bunt, schrill, eng und voller Gerüche, die die Nase auch fordern :-)). Weiter geht es zum Hexenmarkt, Witches Market oder auch Mercado de las Brujas genannt. Hier gibt es größtenteils Waren, um u.a. der Pachamama (Mutter Erde) Opfer darzubringen. D.h. Süssigkeiten, Alkohol, Zigaretten etc. Nebendran auch einige Mittelchen zur Stärkung der Mannes- und Frauenlust und vieles mehr.

Einschub:
Pachamama ist eine von den Ureinwohnern der Anden verehrte Göttin. Sie ist auch als Mutter der Erde / Zeit bekannt. In der Mythologie der Inkas ist Pachamama eine Fruchtbarkeitsgöttin, die Pflanzung und Ernte vorsieht, die Berge verkörpert und Erdbeben verursacht. Sie ist auch eine allgegenwärtige und unabhängige Gottheit, die über eine eigene, selbstständige und schöpferische Kraft verfügt, um das Leben auf dieser Erde aufrechtzuerhalten. Pachamama hat einen besonderen Gottesdiensttag namens Martes de Challa ( Challas Dienstag), an dem Menschen Essen begraben, Bonbons werfen und Räucherstäbchen verbrennen, um Pachamama für ihre Ernten zu danken. In einigen Fällen unterstützen Zelebranten traditionelle Priester, in Aymara als Yatiris bekannt, bei der Durchführung alter Riten, um Glück oder den guten Willen der Göttin zu bringen, wie etwa das Opfern von Meerschweinchen oder das Verbrennen von Lama-Föten oder Baby-Lamas. Wobei die Lama eines natürlichen Todes durch Krankheit etc. gestorben sein sollen.

Weiter geht es über den Plaza San Francisco, an dem die einzige christliche Kirche auf dem ehemaligen „indigenen“ Teil von La Paz steht. Ja, die Spanier teilten La Paz in 2 Teile links und rechts des Rio Chokeyapu. Die Spanier dachten sich, dass die Christianisierung der lokalen Bevölkerung so besser gelingt. Danach gehen wir weiter zum Plaza Murillo, dem Hauptplatz in La Paz, an dem auch der Regierungspräsident Gualberto Villarroel López von Teilen der Bevölkerung gelyncht wurde.

Einschub:
Villarroel war bis zum 5. April 1944 zunächst Präsident der Regierungsjunta, später bis zum 6. August 1944 provisorischer Präsident. Danach übernahm er offiziell das Amt des Präsidenten Boliviens. Während seiner Amtszeit kam es zu weitreichenden Reformen, wie zum Beispiel der amtlichen Anerkennung der Gewerkschaften. Am 21. Juli 1946 nahmen regierungsfeindliche Massen Kurs auf die Plaza Murillo, an der der Palacio Quemado, der Regierungssitz, liegt, und belagerten diesen. Innerhalb des Palastes verkündete Villarroel seine Abdankung. Die Massen aber stürmten das Gebäude und Villarroel wurde ermordet. Seine Leiche wurde von einem Balkon geworfen und an einem Laternenpfahl gegenüber dem Palast aufgehängt. Der US-amerikanische Geheimdienst soll bei der Organisation des Umsturzes eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Im Anschluss klinke ich mich aus, da es schon nach 14 Uhr ist und ich noch im Hostel noch ein paar Sachen erledigen will. Ausserdem will ich mich von Martina und den beiden anderen Room-Mates verabschieden. Bis halb vier schreibe ich dann noch an meinem Reise-Blog und setzte mich dann in ein Colectivo zum Busterminal. Um 16:30 Uhr geht dann mein Nachtbus nach Cusco. Der Anblick dessen lässt mich wieder mal alle positive Energie zusammensammeln und in den Wunsch des unversehrten Ankommens richten…